Meisterpflicht und Eintragung in die Handwerksrolle
Das Zahntechnikerhandwerk steht in Anlage A der Handwerksordnung, Nummer 37. Es ist damit zulassungspflichtig. Ein stehendes Gewerbe darf nur betreiben, wer in der Handwerksrolle eingetragen ist, und eingetragen wird in der Regel, wer die Meisterprüfung bestanden hat.
Gleichgestellt sind bestimmte Ingenieur-, Techniker- und vergleichbare Abschlüsse. Welcher Abschluss in Ihrem Fall anerkannt wird, entscheidet die zuständige Handwerkskammer, nicht der Ratgeber im Netz.
Selbstständig ohne Meisterbrief: was wirklich gilt
Für viele zulassungspflichtige Handwerke gibt es die Altgesellenregelung nach § 7b der Handwerksordnung: Wer als Geselle mehrere Jahre gearbeitet hat, darf sich unter Bedingungen selbstständig machen. Für das Zahntechnikerhandwerk gilt diese Regelung nicht. Gesundheitshandwerke sind davon ausgenommen.
Bleibt die Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO. Sie wird im Einzelfall erteilt, wenn die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten nachgewiesen sind und die Ablegung der Meisterprüfung eine unzumutbare Belastung darstellen würde. Das ist kein Formalakt und keine Alternative, mit der man planen sollte.
Wer heute Geselle ist und ein eigenes Labor plant, plant zuerst die Meisterprüfung. Alles andere ist ein Antrag mit offenem Ausgang. Klären Sie die Frage schriftlich mit Ihrer Handwerkskammer, bevor Sie Geld in Räume oder Geräte stecken.
Anfrage an die Handwerkskammer zum Kopieren
Betreff: Eintragung Handwerksrolle, Zahntechnikerhandwerk Guten Tag, ich beabsichtige, im Zahntechnikerhandwerk ein eigenes Labor zu eröffnen, Standort ... . Ich bitte um Auskunft zu folgenden Punkten: 1. Welche Nachweise benötigen Sie für die Eintragung in die Handwerksrolle in meinem Fall? 2. Welche Unterlagen und Fristen gelten bei Ihnen für einen Antrag auf Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO im Zahntechnikerhandwerk? 3. Mit welchen Gebühren muss ich für Eintragung und Verfahren rechnen? 4. Welche Pflichtmitgliedschaften und Beiträge entstehen im ersten Jahr? Meine Qualifikation: ... (Gesellenbrief vom ..., Berufsjahre ..., Weiterbildungen ...). Freundliche Grüße ...
Medizinprodukterecht, Steuern, Pflichtmitgliedschaften
Ein Dentallabor stellt Medizinprodukte her. Zahnersatz gilt als Sonderanfertigung. Daran hängen Pflichten zu Dokumentation, Konformitätserklärung und Rückverfolgbarkeit. Ihre Innung und die zuständige Behörde des Bundeslandes sagen Ihnen, welche Nachweise bei Ihnen konkret verlangt werden.
Steuerlich gilt für zahntechnische Leistungen und die Lieferung von Zahnersatz der ermäßigte Satz von 7 Prozent nach § 12 Abs. 2 Nr. 6 UStG. Das gilt unabhängig davon, ob Sie als Einzelunternehmen oder als GmbH arbeiten. Nicht jede Leistung eines Labors fällt darunter, deshalb gehört die Abgrenzung in die Hände Ihrer Steuerberatung.
| Thema | Wer entscheidet | Was Sie vorher klären sollten |
|---|---|---|
| Eintragung Handwerksrolle | Handwerkskammer | Welche Nachweise gelten in Ihrem Fall, welche Gebühren fallen an. |
| Ausnahmebewilligung § 8 HwO | Handwerkskammer | Unterlagen, Fristen, Erfolgsaussicht im konkreten Fall. |
| Medizinprodukte, Sonderanfertigung | Zuständige Landesbehörde, Innung | Welche Dokumentation und welche Erklärungen verlangt werden. |
| Umsatzsteuer 7 Prozent | Finanzamt, Steuerberatung | Welche Ihrer Leistungen unter § 12 Abs. 2 Nr. 6 UStG fallen. |
| Innung, Kammerbeitrag | Kammer und Innung | Beitragshöhe im ersten Jahr, Pflicht und Freiwilligkeit. |
Dieser Abschnitt ordnet die Zuständigkeiten. Er ist keine Rechts- oder Steuerberatung und ersetzt die Auskunft der genannten Stellen nicht.
Womit Sie rechnen müssen
Belastbare Durchschnittskosten für eine Laborgründung liegen uns nicht vor, und geschätzte Zahlen wären hier wertlos. Was wir Ihnen geben können, ist die vollständige Liste der Posten, die in Angeboten regelmäßig vergessen werden:
- Räume: Miete, Kaution, Umbau für Absaugung, Gips, Wasser, Starkstrom. Ein normales Büro ist kein Labor.
- Geräte: Neu, gebraucht oder geleast. Gebrauchte Geräte aus Laborauflösungen sind ein realer Markt.
- Digitale Kette: Scanner, Software, Fräse oder Fremdfertigung im Fräszentrum. Die Entscheidung dazu bestimmt Ihre laufenden Kosten.
- Material und erster Warenbestand.
- Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Berufsgenossenschaft.
- Laufende Kosten, bis Geld hereinkommt. Zwischen der ersten Arbeit und der ersten Zahlung liegen Wochen.
- Kundengewinnung. Der Posten, der am häufigsten fehlt. Siehe nächster Abschnitt.
Die erste Praxis ist das eigentliche Problem
Technik, Räume und Genehmigungen lassen sich abarbeiten. Sie kosten Geld und Zeit, aber der Weg ist bekannt. Die Frage, an der Gründungen wirklich scheitern, lautet: Wer schickt Ihnen im dritten Monat Arbeit?
Viele Gründer starten mit Praxen, die sie aus dem alten Labor kennen. Das ist der schnellste Weg und zugleich der heikelste. Prüfen Sie vorher, welche Vereinbarungen aus Ihrem Arbeitsvertrag gelten, insbesondere ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot. Ein Anwalt für Arbeitsrecht klärt das in einem Termin.
Ein neu gegründetes Labor hat gegenüber einem eingeführten Labor genau zwei Vorteile: freie Kapazität und einen Inhaber, der selbst ans Telefon geht. Beides sind gute Argumente. Nutzen Sie sie, solange sie stimmen.
Ein Plan für die ersten sechs Monate
| Zeitraum | Was ansteht | Woran Sie merken, dass es läuft |
|---|---|---|
| Monat 1 bis 2 | Kammer, Nachweise, Standort, Finanzierung klären. Wettbewerbsverbot anwaltlich prüfen. | Schriftliche Auskunft der Kammer liegt vor. |
| Monat 2 bis 3 | Geräte und Räume festlegen. Parallel die ersten Praxen ansprechen. | Zwei Praxen haben einem Probelauf zugestimmt. |
| Monat 3 bis 4 | Betrieb aufnehmen. Abläufe für Abholung, Rückfragen und Nacharbeit festlegen. | Die erste Arbeit ist termingerecht geliefert. |
| Monat 4 bis 6 | Ansprache verstetigen. Jede gelieferte Arbeit nach Rückmeldung fragen. | Eine Praxis schickt regelmäßig, ohne dass Sie nachfassen. |
Gründungs-Prüfliste
Häufige Fragen
Kann ich ohne Meisterbrief ein Dentallabor eröffnen?
In aller Regel nicht. Das Zahntechnikerhandwerk steht in Anlage A der Handwerksordnung und ist zulassungspflichtig. Die Altgesellenregelung nach § 7b HwO, die in anderen Handwerken einen Weg ohne Meisterbrief eröffnet, gilt für Gesundheitshandwerke nicht. Bleibt die Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO als Einzelfallentscheidung der Handwerkskammer.
Welche Umsatzsteuer gilt für ein Dentallabor?
Für zahntechnische Leistungen und die Lieferung von Zahnersatz gilt der ermäßigte Satz von 7 Prozent nach § 12 Abs. 2 Nr. 6 UStG, unabhängig von der Rechtsform. Welche Ihrer Leistungen im Einzelnen darunter fallen, klärt Ihre Steuerberatung.
Darf ich Kunden aus meinem bisherigen Labor mitnehmen?
Das hängt von Ihrem Arbeitsvertrag ab, insbesondere von einem nachvertraglichen Wettbewerbsverbot und seiner Wirksamkeit. Lassen Sie den Vertrag vor der Gründung von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
Wie viele Praxen braucht ein neues Labor zum Start?
Das hängt von Ihren Kosten und der Größe der Praxen ab. Rechnen Sie es mit Ihren eigenen Zahlen aus, statt mit einer Faustregel zu arbeiten. Der Bedarfsrechner auf unserer Seite zur Kundenakquise nimmt Ihre Werte auf.
Die ersten Praxen für Ihr neues Labor
Räume, Geräte und Genehmigungen haben einen bekannten Weg. Die ersten Auftraggeber nicht. Wir richten Kampagnen auf das Gebiet und die Arbeiten aus, die Sie tatsächlich übernehmen können, und prüfen jede Anfrage gegen dieses Profil, bevor sie zu Ihnen kommt. Im Erstgespräch klären wir, ob das für Ihren Standort und Ihren Starttermin trägt. Einen Auftrag können wir Ihnen nicht zusagen, nur den Weg zum Gespräch.
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